Freitag, 29. Mai 2015

Die Räder vom Bus, die roll'n dahin...

...."rolln hin, rolln hin! dundelaahaaang! Wischer Bus mache wisch wisch wisch...."

Das Buslied ist definitiv eines der Lieblingslieder der Chaosbraut. Wahrscheinlich ist das auch der Grund für ihre Begeisterung für Busse. Jeder Bus wird begeistert kommentiert "Daaa! Mama guck! Großer Bus! Boah! Wisch wisch!" und sogar verabschiedet, wenn er vor uns in eine andere Straße abbiegt "Tschüß Bus! Bis mogäään!".

Vor einiger Zeit habe ich daher beschlossen die erste Busfahrt mit der Chaosbraut anzutreten. Nachmittags haben wir uns hier im Dorf an die Bushaltestelle gestellt und auf den Bus gewartet. Fast andächtig saß die Chaosbraut auf der Wartebank. Als ich sie aufforderte sich zu mir an die Straße zu stellen, um nach dem Bus Ausschau zu halten erklärte sie mir: "Mama nei! Muss auf Bus warte hier! Hier sitze und warte!"
 
Mütze: D-generation, Schal: Reno, Jacke: DIY

Als er dann endlich kam bestieg die kleine zielstrebig den Bus, und erklärte schon dem Busfahrer: "Ich fahre Bus heute!" und auch die anderen Fahrgäste bekamen einzelnd von ihr erklärt "Fahre jetz Bus!"

Als ich mich mit der Chaosbraut dann hinsetzte wurde mir schlagartig bewusst ... die ist ja überhaupt nicht gesichert! Es ist doch irgendwie seltsam, dass man sein Kind im Auto ganz selbstverständlich in einem Kindersitz anschnallt, in einem Bus aber keinen Gedanken an Kindersicherung verschwendet.
Die mütterliche Sorge saß mir im Nacken, weshalb ich versuchte die Chaosbraut fest zu halten. Die kleine Dame fühlte sich aber angesichts ihrer ersten Bustour wie Graf Koks höchstpersönlich und wollte auf gaaaaar keinen Fall festgehalten werde "Nei Mama! Kann is lleine! Will lleine Bus fahn!". Ich durfte sie dann immerhin am Pullover ein wenig fest halten.

Schuhe: Reno
Wie ist das also? Warum werden Kinder so unterschiedlich gesichert und gibt es da eigentlich irgendwelche Vorschriften?

Klare Gesetze gibt es nur für Kleinbusse mit bis zu 9 Sitzplätzen. Hier gibt es Dreipunktgurte, mit denen die Kinder genau wie in einem normalen Pkw gesichert sein müssen.
Für größere Busse, wie Linien- oder Reisbusse, gibt es keine gesetzliche Regelung und daher oftmals erst gar keine Sicherheitsgurte. Wenn überhaupt, dann finden sich in Reisebussen einfache Zweipunktgurte.
Manche Reisebusunternehmen machen eigene Vorschriften, die aber meist nur an Kleinstkinder gerichtet sind. Diese sollen dann in einer Babschale transportiert werden. Doch nur wenige Babyschalen können mit einem Zweipunktgurt befestigt werden (möglich ist das zB bei Britax Römer Eclipse oder der Maxi-Cosi Mico).
Professor Dr. med. Peter Biberthaler, Direktor der Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie am Klinikum rechts der Isar in München empfiehlt: „Grundsätzlich empfehlen wir Eltern ihre Schützlinge immer in einem passenden Kindersitz zu transportieren, um die Verletzungsgefahr bei einem möglichen Unfall so gering wie möglich zu halten“.
Wer eine Busreise plant, sollte sich also rechtzeitig Gedanken über die Kindersicherung machen und auch beim Reiseunternehmen die Vorschriften erfragen.

Im Fall von Linienbussen ist die Sicherung des Kindes problematischer. Es gibt keine Gurte, an denen ich einen Sitz befestigen könnte. Und selbst wenn - man steht ja nicht mit dem großen Autositz unterm Arm an der Bushaltestelle.

Mich irritiert es, dass in Bussen so gar nicht an Kinder gedacht wird. Der behindertengerechte Transport von körperlich beeinträchtigten Menschen wird ja (Gott sei Dank) auch beachtet. Wäre da die Installation von kindgerechten Sicherheitsgurten oder vielleicht sogar fest verbauten Kindersitzen unmöglich?
Hose: Esprit

Ich bin mit einem fröhlichen Kind unversehrt bei der Oma angekommen. An kurvigen Stellen und vor allem beim Abbremsen saß die kleine Chaosbraut schon ein wenig unsicher auf diesem großen Sitz. Bei einer abrupten Bremsung wäre die Kleine auf jeden Fall wie ein Pfeil nach vorne geschossen. Ein Bus nimmt schließlich am ganz normalen Straßenverkehr teil, plötzliches Bremsen, Ausweichmanöver oder sogar Unfälle sind damit jederzeit möglich!

Eigentlich unvorstellbar, dass eine solche Sicherheitslücke in Deutschland überhaupt möglich ist!

Die Informationen stammen von der Initiative "Kleine Helden leben sicher", für die wir Botschafter sein dürfen. Auf der Website der Initiative findet ihr viele Informationen rund zum Thema Sicherheit für Kinder - schaut mal rein!



1 Kommentar:

  1. Genau so ist es: Kleinkinder, Schulkinder, (Geh-)Behinderte, alte Menschen, Kinderwagen, Rollstühle - aber auch jedermann sonst - sitzen und stehen völlig ungeschützt in Linienbussen. Schlimmer noch: manchenorts fahren voll gepfropfte Schul- und Linienbusse mit Tempo 80 über die Autobahn, wie zum Besipiel auf der Nordbrücke in Bonn. Dort sehe ich jeden Morgen Schulkinder direkt vor der Frontscheibe stehen. Nicht auszudenken was wäre wenn.....!

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