Sonntag, 17. Mai 2015

"Die Idee hat mich einfach nicht mehr losgelassen" - Interview mit Nicole von BonnieBoxx

Sich selbständig machen, eine eigene Idee in die Tat umsetzen - das braucht viel Mut und Durchhaltevermögen.
Ein Produkt völlig neu erfinden, es entwickeln, finanzieren, produzieren und vermarkten - das verlangt einem sicherlich noch viel mehr ab.
Nicole Kohlrausch hat genau das getan -sie hat die BonnieBoxx erfunden, welche ich euch hier am Freitag vorgestellt habe.

Weil ich ihre Idee, ihren Mut und ihr Produkt so toll finde, habe ich mit ihr ein Interview geführt.




Liebe Nicole,

stell dich doch kurz vor:

Ich bin Nicole Kohlrausch, 46 Jahre alt und Mutter von zwei ganz entzückenden, mittlerweile 7-jährigen Zwillingsmädchen. Zusammen mit dem dazugehörigen Papa leben wir alle in der schönen Schlossstadt Ahrensburg. Im „echten“ Leben bin ich freiberufliche Unternehmensberaterin und IT-Projektmanagerin, aber seit letztem Sommer auch noch Erfinderin und Produzentin der BonnieBoxx.


Du warst schon vor der Gründung der BonnieBoxx GmbH & Co KG freiberuflich tätig. War es schon immer dein Traum, selbständig und unabhängig zu arbeiten?

Nein, eher nicht. Bevor die Kinder kamen, war ich als angestellte Unternehmensberaterin eigentlich ganz glücklich. Das war in der Tat genau der richtige Job für mich, weil es fachlich immer wieder neue und große Herausforderungen gab – es kam nie Langeweile auf. Und gleichzeitig  gab es eine ausreichende Sicherheit, weil mein damaliger Arbeitgeber sehr gut auf dem Markt etabliert war. Als die Kinder dann da waren und ich nach 15 Monaten wieder in meinen Job zurückkehren wollte, war das „klassische Beraterleben“ allerdings nicht wirklich vereinbar mit meinen neuen Aufgaben als Mama. Da kann man nicht einfach mal so drei Tage zum Kunden fahren oder das Wochenende durcharbeiten, weil es ein Projekt gerade so verlangt.

Damals dachte ich, ich suche mir „einfach“ einen Job, der besser vereinbar mit meinem Familienleben ist. Ich habe relativ leichtfertig gekündigt und mich auf Jobsuche begeben – man muss dazu sagen, dass ich vorher aufgrund meiner Ausbildung nie Schwierigkeiten hatte, einen neuen Job zu finden. Dass aber genau das als hochqualifizierte Fachkraft mit Teilzeitplänen nicht ganz so einfach ist, musste ich dann sehr hautnah feststellen. Ich hätte schon etwas gefunden, wäre allerdings völlig unterbezahlt und vor allem unterfordert gewesen.

Nach 3 Monaten erfolgloser Jobsuche kündigte dann die Krippe an, sie müssten meine 18 Monate alten Kinder demnächst wieder rausschmeißen und die Plätze anderweitig vergeben, weil ich meine Kinder als Arbeitssuchende ja jetzt selber betreuen könne. Daraufhin habe ich spontan entschieden, mich als Unternehmensberaterin selbständig zu machen. Erstaunlicherweise lief es dann trotz dieser extern angestoßenen Entscheidung richtig gut an: Für die ersten drei Projekte musste ich genau zweimal telefonieren – und seitdem hatte ich immer eine gute Auftragslage. Und das immerhin schon über fünf Jahre.

Die Selbständigkeit war aber nicht wirklich freiwillig gewählt, sondern eher den Umständen geschuldet.


Aus Sicht einer Mutter, welche Vorteile und Nachteile bringt dir deine Selbständigkeit?

Als Unternehmensberaterin? Der Vorteil ist: Ich kann mir meine Zeit relativ frei einteilen und auch mal nachts arbeiten.

Der Nachteil ist: Ich kann mir meine Zeit relativ frei einteilen und auch mal nachts arbeiten.
Nein, Spaß beiseite. Es sind die schlaflosen Nächte, wenn das Ende eines Beratungsauftrags naht und ich noch keinen neuen habe. Ich kann also immer erst wegen eines Auftrags und der damit verbundenen Arbeit nicht gut genug schlafen und dann deswegen, weil genau dieser Zustand bald ein Ende hat und ungewiss ist, was dann kommt.

Für das Projekt BonnieBoxx gibt es andere Vor- und Nachteile. Der Vorteil ist, dass ich das Produkt einfach total toll finde und mich wirklich gerne dafür einsetze. Der Nachteil ist, dass die Anforderungen und das Risiko einer Gründung so hoch, viele Themen so neu und meine Erfahrungen im Handel so gering sind, dass ich einfach relativ viele Fehler mache. 

Hier kann ich nur den Rat geben, sich am besten in einem Bereich selbständig zu machen, dessen Mechanismen, Regeln und Potenziale man vorher kennt…


Den Gedanken kennen bestimmt viele: Ich habe eine Idee, die müsste man mal professionell umsetzen! Warum hast du dich für diesen Schritt entschieden?

Die Idee hat mich einfach nicht mehr losgelassen. Und irgendwann passte dann alles zusammen, so dass ich immer nur noch weiter machen wollte.  


Wie lange hat der Weg von der Idee zur Umsetzung gebraucht?

Ziemlich genau 2 Jahre.

Woher kommt der Name „BonnieBoxx“?


Ich habe beim Entwurf der Investoren-Präsentation nach einem schmissigen Arbeitstitel gesucht. Und da habe ich einfach mal die ersten Pixi-Bücher durchgeschaut. Soweit ich mich erinnere, handelte eines der allerersten Pixis von einem putzenden Schweinchen oder so – das hieß Molly Mopp. Und genau so einen Alliteration habe ich dann für „Box“ gesucht, weil die Produkte von vornherein aus Wellpappe sein sollten. „Bonnie“ hat sich dann fast von alleine ergeben – steht für schön, hübsch. Am Ende ist es dann zum Glück bei diesem Arbeitstitel geblieben.



Aus deiner vorherigen Tätigkeit hattest du sicherlich gute Grundkenntnisse für ein solches Projekt. Trotzdem gibt es doch so viel zu bedenken: Materialwissen, Designs entwickeln, Produktion, rechtliches Wissen, Finanzierung – Hut ab vor deiner Leistung! Was hat dich motiviert und auf deinem Weg gestärkt?


Das frage ich mich auch immer wieder. In erster Linie sind das meine Kinder, die mir soooo viel Lebensfreude und Lebenssinn geben. Dann mein Mann, der irgendwie immer alles mitmacht :-)
Und ganz oft einfach die richtigen Menschen zum richtigen Zeitpunkt.  


Worauf bist du besonders stolz, wenn du an die Zeit von der Idee bis heute denkst?

Darauf, dass ich eine Idee umgesetzt habe, die auch andere Leute begeistert. Und auf das Video, in dem meine beiden Mädels zusammen mit einer Freundin die BonnieBoxx erklären – guckst Du hier


Es ist immer die Rede von Gleichberechtigung, Emanzipation und der Anerkennung von Frauen im Geschäftsleben. Du scheinst ja eine taffe Frau zu sein – warst du in deinem Projekt jemals an dem Punkt, wo du es als Mann leichter gehabt hättest (oder hattest du es vielleicht sogar als Frau leichter?)

Was Männer irgendwie besser hinkriegen ist die Art, sich gegenseitig zu fördern, sich auf so eine ganz eigene, eben männliche Art zu vernetzen, Beziehungen zu nutzen und einfach auch mal auszureizen. Insbesondere Letzteres kriegen Frauen – oder zumindest ich – nicht wirklich hin.

Ich glaube grundsätzlich nicht, dass Frauen es im Berufsleben leichter haben, geschweige denn mehr oder einfacher Anerkennung bekommen als ihre männlichen Kollegen. Ganz im Gegenteil.

Allerdings glaube ich durchaus, dass sie weniger Druck empfinden als Männer. Frauen meiner Generation wurden zum Beispiel von ihren Eltern mit der Maxime ins Berufsleben geschickt: „Sorge dafür, dass Du immer für Dich selber sorgen kannst“. Männern wurde die weitaus größere Aufgabe des „Ernährers“ mitgegeben – sie müssen nicht nur für sich selber sorgen, sondern gleich für die ganze Familie mit. Und das muss man(n) auch erst mal aushalten.



Ohne uns zu viel zu verraten: Was sind deine Zukunftspläne für die BonnieBoxx?

Ich habe tatsächlich noch ganz viele tolle Produktideen, die ich gerne umsetzen würde. Leider hat ein Tag nur 24 Stunden, und es wollen einfach nicht mehr werden. Will sagen: Ich weiß zwar, wo ich hin will. Aber noch nicht, wie der Weg dorthin ganz konkret aussieht, und was ich an wen abgeben muss, um das Ziel wirklich zu erreichen


Wie viele Pixi-Bücher haben deine Töchter? 

Nie wirklich gezählt – aber es müssen über 300 sein.


Was ich schon immer in einem BonnieBoxx-Interview gefragt werden wollte:
Würdest Du das alles noch einmal so machen? 

Die Antwort lautet: „Nein. … Oder vielleicht doch?“ Wenn ich mir die bisherigen Presseartikel über die BonnieBoxx  durchlese, klingt das alles wahnsinnig  toll und vor allem einfach,  geradezu „märchenhaft“ (Zitat Hamburger Abendblatt).  Als bräuchte man nur eine tolle Idee, und dann läuft der Rest von alleine. Und genau das will auch jeder hören, der gerade eine gute Idee hat.

Dem ist aber nicht so – das sollte jeder wissen, der so verrückt ist und seine Idee tatsächlich umsetzen will. So ein Weg ist hart, sehr risikoreich, eher selten von Erfolg gekrönt und vor allem schlaflos vor Arbeit und Sorgen. Und genau das hätte man mir von vornherein sehr deutlich darstellen, meinetwegen sogar beweisen können – ich hätte es ignoriert.

Dazu gibt es ein Zitat, das mir wirklich gut gefällt, weil es den Sinn der Ignoranz, des Scheiterns und des Durchhaltevermögens verdeutlicht. Dieses Zitat stammt von dem Mann, der 1880 die Glühbirne erfand. Rund 2000 Anläufe brauchte Edison, bis er die den ersten Kohlefaden in einer Lampe zum Leuchten bringen konnte. Ein Ergebnis, das den Amerikaner jedoch wenig schockte, denn trocken kommentierte Thomas Edison seine Fehlversuche mit dem Satz: „Ein Misserfolg war es nicht. Denn wenigstens kennt man jetzt 2.000 Arten, wie ein Kohlefaden nicht zum Leuchten gebracht werden kann.“

Heißt für mich: Weitermachen, Nicole!



Liebe Nicole, vielen Dank für deine Antworten! Wir lieben deine BonnieBoxx und wünschen dir noch viel Erfolg, Mut, Durchhaltevermögen und vor allem Spaß .... Weitermachen, Nicole!

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