Donnerstag, 19. Februar 2015

Die Socken machen mich echt wütend!

oder: Warum das Leben als Kleinkind manchmal zum Heulen ist.

Die Chaosbraut ist nur selten sprachlos. Sie kann mitteilen wenn sie müde, hungrig oder durstig ist. Auch wenn sie kuscheln oder spielen will, ich ihr etwas geben soll oder sonst Wünsche bestehen - sie kann sich mitteilen. Aber wie sagt man als Sprechanfänger "Ich bin total durch den Wind!" oder "Mama, heute ist einfach alles schei***!"

Man sagt es gar nicht, man zeigt es... und zwar durch hemmungsloses heulen. Wir sind soweit wieder dem Grippe-Lazarett entflohen und husten und schniefen uns noch ein wenig durch den Tag. Die Chaosbraut hatte vergangene Nacht aber noch einen fiesen Reizhusten, der sie nicht so recht schlafen lies. Und da sie eben in der vergangenen Nacht schlecht geschlafen hatte, hat sie logischer Weise heute den Mittagsschlaf ausfallen lassen ... "Nei! Nis müde! Nis slafe! Wach! Aufstehe! Untergehn!" Nein, ich bin nicht müde! Ich will nicht schlafen! Ich will aufstehen und nach unten gehen!

Puh, das versprach ein langer Nachmittag zu werden und da die Chaosbraut noch dringend ein paar neue Hosen brauchte hab ich mir das Kind geschnappt und bin in die Stadt gefahren - etwas Ablenkung, frische Luft, raus aus dem Krankenlager - schlechte Idee!

Haarreif:Okaidi,Strumpfhose:H&M,Schuhe:Superfit
Alles begann mit einem dieser unsäglichen Fahrgeschäfte, diesen schrecklichen kleinen Autos, Hubschrauber, Eisenbahnen und Motorräder, die gegen den Unkostenbeitrag von schlappen 2 Euro immerhin 20 Sekunden rhythmisch nach vorne und hinten ruckeln. Wir mussten sage und schreibe 3 (!!!) dieser Teile passieren, bis wir überhaupt im ersten Geschäft ankamen. Das führte also schon zum ersten von drei großen Anfällen. Laut schreiend betraten wir den H&M und alle Augen waren direkt auf uns gerichtet. Es war nichts zu machen, Ablenkung, Schimpfen, Fürsorge - nichts führte zum Erfolg. Also blieb einfach nur Abwarten und siehe da - laute 10 Minuten später war Ruhe. Alles cool!

Puh, dann also ab an die Kasse. Wir mussten kurz anstehen und die Chaosbraut wühlte vergnügt in der Sockenwühlkiste an der Kasse. Als eine Frau dann freundlich anmerkte, dass das ja schöne Socken wären, war es geschehen. Das war zu viel! Diese unverschämte, verlogene, rücksichtslose Behauptung..... kurz schaute sich die Chaosbraut die Socken in ihrer Hand an und urplötzlich drang ein schriller Schrei quer durch den Laden... "Nei! Nis Sockeeeeeee!" Nein! Keine Socken! und die Chaosbraut schmiss sich auf den Boden und begann mit Anfall Nr. 2. Gut, Mama, bleib cool!

Wir schafften es, dass der Anfall noch vor dem Betreten des Drogeriemarktes beendet war. Wir haben dann glorreiche 10 Meter zurück legen können, bevor es zum finalen Anfall kam. Auslöser: Das Schminkregal! Dieses schier endlose Farbenparadies, verlockend befüllt mit allerhand bunten Farbtöpfchen, nur dafür aufgestellt, um von der Chaosbraut in all seinen Facetten benutzt zu werden..... Der Anfall ging einmal quer durch das Geschäft, an der Kasse vorbei, ein Stück die Fußgängerzone hinunter und hinein zum Okaidi. Dort konnten wir einen kurzen Wechsel des Heul-Auslösers bewundern. Denn nachdem die Chaosbraut scheinbar vergessen hatte, warum sie den Anfall ursprünglich begonnen hatte, musste etwas Neues her. Ganz klarer Störfaktor direkt vor unserer Nase: Die Jacke der Schaufensterpuppe war nur zur Hälfte geschlossen und das ging ja jetzt mal ganz und gar nicht! Also beschloss mein kleiner Zwerg, diesen Umstand lauthals im Laden kund zu tun ("Jacke auuuf! Daaa! Jacke auuuuf!") und gleichzeitig auch ihr Missfallen darüber mitzuteilen. Mama, bleib COOL!!

Da half auch der eilig durch die Verkäuferin herbei getragene Luftballon nichts mehr. Mit dem Luftballon in der Hand stand mein kleiner Zwerg mitten im Geschäft und verbreitete einen ohrenbetäubenden Lärm. Im Vorbeigehen kaufte ich noch einen süßen Haarreif und dann traten wir heulend den Rückweg zum Auto an .... da wurde es still... auf der Rückfahrt fröhliches Gebrabbel ... "Willst du gleich noch ein bisschen schlafen?"... "Nei! NIS SLAFE!" .... MAMA, BLEIB COOL!

Manchmal möchte ich mir gerne ein Schild auf den Kopf tackern: "Nein, mein Kind wird nicht geschlagen, es leidet keinen Hunger, keinen Durst und auch keine sonstigen Qualen! Es schreit einfach!"

P.S: Wir haben uns hinterher doch gemeinsam ins Bett gelegt und ein bisschen die Augen zu gemacht - die Mama auch!



1 Kommentar:

  1. Weißt Du was? Gott sei Dank sind wir nicht allein - ich glaube jede Mami kennt das und hat genau die gleichen Gedanken wie Du :-) Auch ich hab´schon oft gedacht: die anderen Leute müssen denken, ich sei eine ganz schlimme Mama, die ihr Kind schlecht behandelt. Und das nur weil bspw. die Jacke falsch zugeknöpft ist.
    Meine Tochter ruft sogar manchmal "aua, aua", wenn sie etwas nicht machen will - z.B. Schuhe anziehen. Und dass, obwohl ich sie noch nicht mal anfasse. Das finde ich sehr problematisch, weil da ja wirklich schnell mal ein Missverständnis entstehen kann. Ich habe ihr auch schon erklärt, dass man wirklich nur "Aua" ruft wenn etwas weh tut, oder einem weh getan wird. Wenn man etwas nicht möchte, soll man lieber sagen: "ich will nicht". Manchmal hilft es - aber nicht immer...
    In diesem Sinne: meine Tochter hat sie immer noch - diese Trotzanfälle. Aber jetzt, mit etwas mehr als drei Jahren - wird es stetig besser. Also halte durch!!!

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